Aphasie

Hier erhalten Sie allgemeine Informationen über Aphasie.
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Was bedeutet Aphasie?

Sprache ist ein komplizierter Vorgang des Gehirns, der dort in verschiedenen Teilen abläuft. Bei einer Aphasie (z.B. durch einen Schlaganfall, Unfall oder Hirntumoren) sind diese verschiedenen Teile des Gehirns in unterschiedlichem Ausmaß geschädigt. Der Betroffene hat nicht den Verstand verloren – Aphasie ist eine Sprachstörung. Diese kann sich beim Betroffenen auf folgende Weise äußern:

•  er versteht nicht mehr

•  er spricht nur noch einzelne Wörter („Telegrammstil“)

•  er spricht ununterbrochen scheinbar Sinnloses

•  er sucht nach Wörtern, findet sie eventuell nicht

•  er „verwechselt“ Wörter (z.B. „ja“ mit „nein“ und umgekehrt)

•  er spricht undeutlich / unverständlich

•  er sagt immer dasselbe Wort (z.B. „ja“)

•  er „brummt“ nur, oder sagt gar nichts

•  er kann nicht mehr lesen oder schreiben, gibt aber den Anschein es zu können

•  er schwankt in seinen Stimmungen und Leistungen stärker als früher

Die Schwierigkeiten müssen nicht unbedingt gleichzeitig und in gleicher Ausprägung auftreten. Im Folgenden werden einige dieser Probleme beschrieben, und es wird gezeigt, wie sie sich jeweils verhalten können.

  1. Das Sprachverständnis ist gestört

  Der Patient versteht nicht alles, auch wenn er selbst sehr viel und flüssig spricht. Er gerät oft durcheinander, wenn sie (sehr) schnell, oder wenn mehrere Personen mit ihm reden.

Hilfestellung für den Patienten:

Sprechen sie ruhig und deutlich, in kurzen und einfachen Sätzen. Vermeiden sie jedoch den „Telegrammstil“ (z.B. „Du müde?“) oder die „Kindersprache“ (z.B. „Hast du Aua?“) wenn sie mit ihm reden. Achten sie darauf, dass sie nicht lauter sprechen als sonst, und wenden sie sich dem Patienten deutlich zu.

Behandeln sie den Patienten immer als Erwachsenen

Das Sprechen bereitet Mühe

Der Patient kann große Schwierigkeiten haben, spontan zu erzählen, auch wenn er in der Lage ist z.B. zu singen, Wochentage oder Zahlen aufzusagen oder

nachzusprechen. Häufig vermag er, Lippen und Zunge nicht mehr richtig zu bewegen und kann daher manche Wörter überhaupt nicht, bzw. nur sehr undeutlich aussprechen. Es gibt auch Patienten, die sehr viel und sehr schnell sprechen oder einzelne Wörter und Sätze ständig wiederholen. Ihre Äußerungen sind nur teilweise verständlich und passen oft nur zu der gerade stattfindenden Situation. Ebenso kann es vorkommen, dass der Patient nicht das richtige Wort findet („...es liegt mir auf der Zunge!“) und/oder Wörter verwechselt (z.B. „...meine Frau!“ sagt, anstelle von „Tochter“).

Hilfestellung für den Patienten:

Lassen sie dem Patienten beim Sprechen sehr viel Zeit. In einer ruhigen und entspannten Atmosphäre gelingt das Sprechen wesentlich besser. Falls es ihnen nicht gelingt, ihn zu verstehen, versuchen sie durch Fragen herauszufinden, was der Patient meint. Blocken sie seine Sprechversuche nicht ab und versuchen sie ihn nicht zu häufig zu korrigieren

  1. Lese- und Schreibfähigkeit sind beeinträchtigt

  Oft können die Patienten einzelne Wörter und Sätze lesen, verstehen aber nicht deren Bedeutung und Inhalt. Beim Schreiben unterlaufen ihnen Fehler, mitunter können ihnen sogar manche Buchstaben fremd sein. Eventuell sind Lesen und Schreiben nicht mehr möglich.

Hilfestellung für den Patienten:

Es hilft leider wenig, wenn Sie den Patienten allzu häufig korrigieren, da er dann rasch entmutigt werden könnte. Auch das ständige Wiederholen eines Wortes oder Satzes führt nicht dazu, dass ihm der Text verständlicher wird. Ebenso wird durch das Abschreiben eines Textes seine Schreibfähigkeit nicht gefördert. Besprechen sie hier im Einzelfall mit der Logopädin / dem Logopäden, ob und wie sie den Patienten unterstützen können.

  1. Persönlichkeit und Leistungsfähigkeit eines Patienten

  Es kann sein, das der Patient in seinen Fähigkeiten von Tag zu Tag schwankt und auf Umwelteinflüsse (z.B. das Wetter) empfindlicher reagiert als vor seiner Erkrankung. Meist wird er schneller müde. Manche Patienten sind stimmungslabil und weinen oft, andere reagieren aggressiv. Es kann mitunter sein, dass der Patient das Interesse an Dingen verliert, mit denen er sich vorher gerne beschäftigt hat. Er hat unter Umständen Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und schnell von einer Tätigkeit zur anderen zu wechseln.

Hilfestellung für den Patienten:

Unterstützen sie Dinge, die der Patient (gut) kann und stärken sie sein Selbstbewusstsein. Zeigen sie Verständnis für seine Lage, indem sie ihm vermitteln, dass sie wissen, wie schwer es für ihn ist. Beziehen sie ihn in den Alltag ein und übertragen sie ihm Aufgaben, die er bewältigen kann.  

Was machen Logopäden?

Logopäden behandeln Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen jeder Art. Bei Aphasiepatienten versuchen sie, dem Betroffenen den erneuten Zugang zur Sprache und zum Sprechen zu erleichtern. Durch Übungen in der Therapie lernt der Patient, Sprache und Sprechen wieder gezielter einzusetzen. Ebenso wird am Sprachverständnis gearbeitet.

Dieses Infoblatt versucht allgemeine Anregungen zu geben; individuelle Fragen klären sie bitte mit den behandelnden Logopäden