Sprechapraxie

Beeinträchtigung der Fähigkeit, Sprechbewegungen in ihren räumlichen und zeitlich-sequentiellen Aspekten zu „progammieren “, ohne dass Schwäche, Verlangsamung oder Dyskoordination der beteiligten Muskeln oder perzeptive Dekodierungsdefizite für die Störung verantwortlich gemacht werden können. ( Darley et al. )

Symptomatik der Sprechapraxie :
Betroffene Bereiche:

•  Lautbildung

•  Prosodie

•  Sprechverhalten

•  phonematische Fehler

-Lautentstellungen = wahrnehmbare Abweichung vom Ziellaut, die auch keinem anderen korrekt gebildeten Laut des Deutschen entspricht

-Substitutionen = kategoriale Lautabweichungen, d.h. korrekte Artikulation eines anderen Lautes, anstelle des Ziellautes

-Elisionen = Auslassungen

-Additionen = Hinzufügungen

•  sequentielle Fehler

-Antizipationen = Voranstellung eines später zu produzierenden Lautes ( Bsp.: Kheke statt Theke )

-Perseverationen = auch: Reiterationen oder progressive Assimilation ( Bsp.: Thete statt Theke )

-Metathesen = Umstellungen ( Bsp.: Khete statt Theke )

Besonderes Merkmal: Inkonstanz und Inkonsistenz der Lautbildungsfehler

Ziegler/ von Cramon (1989): Interpretieren kategorial abweichende und auditiv unauffällige Laute als Extremfälle eines Kontinuums aberrierender Lautrealisierungen ( keine Fehler der Selektion )

Einflussgrössen, welche sich auf die Lautbildung auswirken: (umstritten, da Forschungsergebnisse widersprüchlich)

•  Lautstellung im Wort (Anlaute eher betroffen als In- oder Auslaute)

•  Sprechmotorische Anforderung (gleicher Konsonant in Clustern oder längeren Wörtern eher betroffen; Komplexität der Lautfolgen entscheiden)

•  Phonem-/Worthäufigkeit (je häufiger, desto weniger betroffen)

•  Wortart und Wortlänge (Inhaltswörter und bildhafte Wörter weniger betroffen; je länger desto eher betroffen)

•  Automatisierungsgrad der Äußerung (je „automatisierter“, desto weniger betroffen; „Inseln unauffälliger Sprachproduktion“)

•  Stimulusmodalität

•  Adaptionseffekt (weniger Fehler bei mehrmaligem Lesen)

•  Prosodie  

- Akzentuierung: Dauer, Tonhöhe und/oder Lautstärke verändert

- Akzentverschiebung

- Akzentnivellierung

- gleichmäßige Akzentuierung aller Silben

 

?silbische, skandierende Sprechweise:

•  intersilbische Pausen

•  Selbstkorrekturversuche

•  Reduktion des Sprechtempos

?verlangsamte Artikulationsbewegungen

  • die prosodische Defizite sind noch nicht genügend geklärt;

    möglicherweise sind sie als sekundär gestört zu betrachten

    •  Sprechverhalten  

    ?Suchbewegungen

    •  von Zunge, Lippen und Kiefer

    •  bei Initiierung oder während der Realisierung von Äußerungen

    -Sprechanstrengungen

    -Selbstkorrektur ( mit zunehmender Annäherung an die artikulatorische Zielform )

    -mimische oder gestische Ersatzhandlungen

    -Unzufriedenheit

    Diagnostik sprechapraktischer Störungen

    AAT ( Aachener Aphasie Test ):

    •  Diskrepanz zwischen lautsprachlichen und schriftsprachlichen Leistungen

    •  Hohe Variabilität der Fehler

    •  Erwartung von Fehlern v.a. in ´Spontansprache´ (Artikulation und Prosodie, phonematische Struktur), ´Nachsprechen´ und ´Lautes Lesen´

  • Abgrenzung zu Aphasie, Dysarthrie und buccofacialer Apraxie

    Spezielle Untersuchungen der Sprechapraxie

    •  Inspektive Untersuchung

    - Inspektion der am Sprechen beteiligten Organe und Funktionen

    - Beurteilung sensibler Funktionen

    •  Auditive Befunde

    - auditiv-phonetische Beurteilung der Spontansprache (Transkript)

    - auditiv-phonetische Beurteilung spezieller Aufgaben, d.h.

    Beurteilung von: Sprechatmung, Stimme, Artikulation, Prosodie,

    Sprechen unter Belastung (z.B.: Diadochokinese)