Störungsbilder

Zunächst einmal ist es wichtig, dass Sie Ihren Arzt aufsuchen. Wenn die Notwendigkeit für eine logopädische Therapie besteht, wird Ihnen dieser eine Heilmittelverordnung (Rezept) ausstellen. Diese Heilmittelverordnung kann von einem Arzt für Allgemeinmedizin, Kinderarzt, HNO-Arzt, Neurologen, Phoniater ausgestellt werden

Kostet die logopädische Behandlung etwas?

Die logopädische Therapie ist Teil der medizinischen Grundversorgung. Deshalb werden die Kosten hierfür in der Regel von den Krankenkassen übernommen.

Erwachsene und Jugendliche ab dem 18. Lebensjahr müssen die Praxisgebühr von 10 Euro und 10% des Rezeptwertes selbst zahlen.

Ausnahme: Sie sind von der Zuzahlung von Ihrer Krankenkasse befreit.

 

Sprachauffälligkeiten im Kindesalter

  • Dyslalie (Störungen der Aussprache)
  • Sprachentwicklungsstörungen und Sprachentwicklungsverzögerungen
  • Näseln
  • durch LKG (Lippen-Kiefer-Gaumenspalte) bedingte Störungen
  • durch Hörstörungen bedingte Auffälligkeiten

Myofunktionelle Störungen im Kindesalter

  • Störungen im Bewegungsablauf von Lippen und Zunge
  • Kau- und Schluckstörungen

Die Therapie kann im Zusammenhang mit kieferorthopädischer Behandlung und bei Artikulationsstörungen erforderlich sein.

Stimmstörungen

  • funktionelle Stimmstörungen
    • durch ungünstigen Gebrauch von Stimme, Atmung u. a.
  • organische Stimmstörungen
    • nach Kehlkopfoperationen
    • bei Lähmungen
    • und anderer Ursachen
  • psychogene Stimmstörungen

Schluckstörungen

Stimmstörungen (Dysphonien, Aphonien) können bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen auftreten.

Können Sie gut schlucken? Machen Sie den Schlucktest

• Nehmen Sie einen Schluck Wasser, Tee, …etc.
• Noch nicht gleich schlucken
• Können Sie den Schluck einen Moment auf der Zunge halten? Auch mit offenem Mund?
• Jetzt dürfen Sie schlucken
• Nehmen Sie bitte noch einen Schluck
• Überstrecken Sie den Kopf nach hinten in den Nacken
• Schlucken Sie – wie gut ging das?
• Versuchen Sie jetzt einen neuen Schluck und
• beißen Sie sich dabei auf die Zungenspitze (bitte nicht zu fest, könnte weh tun)
• stecken Sie die Zunge dabei in eine Backentasche
• versuchen Sie die Zunge krampfhaft am Mundboden zu halten

– Wie gut ging das?
– Haben Sie sich verschluckt oder waren Sie kurz davor?
– Könnten Sie sich vorstellen immer so schlucken zu müssen?

Schlaganfallpatienten haben häufig ein beeinträchtigtes Empfinden im Mundraum und an vielen anderen Körperregionen. Sie sind oft nicht mehr Herr ihrer sonst automatisierten Bewegungsabläufe, was zu Schluckstörungen führen kann, was Ihnen durch die oben aufgeführten Übungen sicherlich verdeutlicht werden konnte.

In der Therapie wird nun versucht, mittels spezieller Reize ( über Berührung, Wärme/Kälte, Geschmack/Geruch, gute Körperhaltung ) dem Patienten das Schlucken wieder zu ermöglichen.

Welcher Schlucktyp sind Sie? Erfahren Sie es hier:

Schluckpatient Typ 1

Der Schluckpatient vom Typ 1 hat ein großes Aspirationsrisiko bei flüssiger und fester Konsitenz; bzw. das Kauen ist ihm nicht möglich oder stark eingeschränkt, sowie eine Störung der oberen Ösophagusöffnung


Geeignet:
Speisen, die sich im Mixer pürieren lassen und sich zu einem feinen, homogenen Brei verarbeiten lassen.

Nicht geeignet:
Körnige, faserige oder klebrige Konsistenzen

Indikation:
– erste Essversuche bei schwersten bis schweren Störungen des Kauens und der oralen Boluskontrolle
– bei verzögerter Reflextriggerung
– bei eingeschränktem laryngealen Verschluss
– bei eingeschränkterpharyngealer Kontraktion
– bei eingeschränkter Öffnung des oberen Ösophagusshinkters

Schluckpatient Typ 2

Der Schluckpatient vom Typ 2 hat ein Aspirationsrisiko bei dünnflüssiger, krümeliger und körniger Nahrung und das Kauen ist deutlich eingeschränkt


Geeignet:
Weiche Nahrung, die sich mit der Zunge zerdrücken lässt.

Nicht geeignet:
Grobkörnige, krümelige, faserige oder klebrige Konsistenzen

Indikation:
-weiche Kost eignet sich für diese Patienten mit mittlerer Störung der oralen Vorbereitungs- und oralen Phase und für mittelgradige Beeinträchtigungen der pharyngealen Phase

Ernährungsphysiologie:
Bei ausgewogener Auswahl und Menge erfüllt weiche Kost die ernährungsphysiologischen Erfordernisse

Schluckpatient Typ 3

Der Schluckpatient vom Typ 3 hat ein Aspirationsrisiko bei dünnflüssiger, krümeliger und körniger Nahrung und das Kauen ist noch leicht eingeschränkt


Geeignet:
Halbweiche und feste Nahrung, die sich leicht kauen lässt, Nahrung aus Schluckpatient Typ 1 und Typ 2

Nicht geeignet:
Grobkörnige, krustige, klebrige oder zähe Konsistenzen und Produkte mit unzermahlenen Körnern oder hohem Schalenanteil

Indikation:
-leichte Störungen der oralen und/oder pharyngealen Phase

Ernährungsphysiologie:
Bei ausgewogener Auswahl und Menge erfüllt Schluckpatient Typ 3 die ernährungsphysiologischen Kriterien

Aphasie

Hier erhalten Sie allgemeine Informationen über Aphasie.
Ausführlichere Informationen als PDF zum Download

Was bedeutet Aphasie?

Sprache ist ein komplizierter Vorgang des Gehirns, der dort in verschiedenen Teilen abläuft. Bei einer Aphasie (z.B. durch einen Schlaganfall, Unfall oder Hirntumoren) sind diese verschiedenen Teile des Gehirns in unterschiedlichem Ausmaß geschädigt. Der Betroffene hat nicht den Verstand verloren – Aphasie ist eine Sprachstörung. Diese kann sich beim Betroffenen auf folgende Weise äußern:

•  er versteht nicht mehr
•  er spricht nur noch einzelne Wörter („Telegrammstil“)
•  er spricht ununterbrochen scheinbar Sinnloses
•  er sucht nach Wörtern, findet sie eventuell nicht
•  er „verwechselt“ Wörter (z.B. „ja“ mit „nein“ und umgekehrt)
•  er spricht undeutlich / unverständlich
•  er sagt immer dasselbe Wort (z.B. „ja“)
•  er „brummt“ nur, oder sagt gar nichts
•  er kann nicht mehr lesen oder schreiben, gibt aber den Anschein es zu können
•  er schwankt in seinen Stimmungen und Leistungen stärker als früher

Die Schwierigkeiten müssen nicht unbedingt gleichzeitig und in gleicher Ausprägung auftreten. Im Folgenden werden einige dieser Probleme beschrieben, und es wird gezeigt, wie sie sich jeweils verhalten können.

Das Sprachverständnis ist gestört
Der Patient versteht nicht alles, auch wenn er selbst sehr viel und flüssig spricht. Er gerät oft durcheinander, wenn sie (sehr) schnell, oder wenn mehrere Personen mit ihm reden.

Hilfestellung für den Patienten:
Sprechen sie ruhig und deutlich, in kurzen und einfachen Sätzen. Vermeiden sie jedoch den „Telegrammstil“ (z.B. „Du müde?“) oder die „Kindersprache“ (z.B. „Hast du Aua?“) wenn sie mit ihm reden. Achten sie darauf, dass sie nicht lauter sprechen als sonst, und wenden sie sich dem Patienten deutlich zu. Behandeln sie den Patienten immer als Erwachsenen

Das Sprechen bereitet Mühe
Der Patient kann große Schwierigkeiten haben, spontan zu erzählen, auch wenn er in der Lage ist z.B. zu singen, Wochentage oder Zahlen aufzusagen oder nachzusprechen. Häufig vermag er, Lippen und Zunge nicht mehr richtig zu bewegen und kann daher manche Wörter überhaupt nicht, bzw. nur sehr undeutlich aussprechen. Es gibt auch Patienten, die sehr viel und sehr schnell sprechen oder einzelne Wörter und Sätze ständig wiederholen. Ihre Äußerungen sind nur teilweise verständlich und passen oft nur zu der gerade stattfindenden Situation. Ebenso kann es vorkommen, dass der Patient nicht das richtige Wort findet („…es liegt mir auf der Zunge!“) und/oder Wörter verwechselt (z.B. „…meine Frau!“ sagt, anstelle von „Tochter“).

Hilfestellung für den Patienten:
Lassen sie dem Patienten beim Sprechen sehr viel Zeit. In einer ruhigen und entspannten Atmosphäre gelingt das Sprechen wesentlich besser. Falls es ihnen nicht gelingt, ihn zu verstehen, versuchen sie durch Fragen herauszufinden, was der Patient meint. Blocken sie seine Sprechversuche nicht ab und versuchen sie ihn nicht zu häufig zu korrigieren

Lese- und Schreibfähigkeit sind beeinträchtigt
Oft können die Patienten einzelne Wörter und Sätze lesen, verstehen aber nicht deren Bedeutung und Inhalt. Beim Schreiben unterlaufen ihnen Fehler, mitunter können ihnen sogar manche Buchstaben fremd sein. Eventuell sind Lesen und Schreiben nicht mehr möglich.

Hilfestellung für den Patienten:
Es hilft leider wenig, wenn Sie den Patienten allzu häufig korrigieren, da er dann rasch entmutigt werden könnte. Auch das ständige Wiederholen eines Wortes oder Satzes führt nicht dazu, dass ihm der Text verständlicher wird. Ebenso wird durch das Abschreiben eines Textes seine Schreibfähigkeit nicht gefördert. Besprechen sie hier im Einzelfall mit der Logopädin / dem Logopäden, ob und wie sie den Patienten unterstützen können.

Persönlichkeit und Leistungsfähigkeit eines Patienten
Es kann sein, das der Patient in seinen Fähigkeiten von Tag zu Tag schwankt und auf Umwelteinflüsse (z.B. das Wetter) empfindlicher reagiert als vor seiner Erkrankung. Meist wird er schneller müde. Manche Patienten sind stimmungslabil und weinen oft, andere reagieren aggressiv. Es kann mitunter sein, dass der Patient das Interesse an Dingen verliert, mit denen er sich vorher gerne beschäftigt hat. Er hat unter Umständen Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und schnell von einer Tätigkeit zur anderen zu wechseln.

Hilfestellung für den Patienten:
Unterstützen sie Dinge, die der Patient (gut) kann und stärken sie sein Selbstbewusstsein. Zeigen sie Verständnis für seine Lage, indem sie ihm vermitteln, dass sie wissen, wie schwer es für ihn ist. Beziehen sie ihn in den Alltag ein und übertragen sie ihm Aufgaben, die er bewältigen kann.

Was machen Logopäden?
Logopäden behandeln Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen jeder Art. Bei Aphasiepatienten versuchen sie, dem Betroffenen den erneuten Zugang zur Sprache und zum Sprechen zu erleichtern. Durch Übungen in der Therapie lernt der Patient, Sprache und Sprechen wieder gezielter einzusetzen. Ebenso wird am Sprachverständnis gearbeitet.

Dieses Infoblatt versucht allgemeine Anregungen zu geben; individuelle
Fragen klären sie bitte mit den behandelnden Logopäden

Dysarthrie

Was bedeutet Dysarthrie?

Sprache und Sprechen sind komplizierte Vorgänge des Gehirns und laufen in verschiedenen Hirnteilen ab.
Bei einer Dysarthrie sind diese Hirnteile in unterschiedlichem Ausmaß geschädigt, wodurch die Aussprache beeinträchtigt wird.

Die Dysarthrie ist also eine Störung der Aussprache und keine Störung des Denkens oder der Intelligenz.

•  Die Atmung ist unkoordiniert, oft flach und schnell

•  Die Stimme klingt anders als vorher, oft heiser, leise

•  Die Beweglichkeit von Lunge und Lippen ist eingeschränkt. Das Sprechen ist verwaschen, undeutlich.

•  Das Sprechen ist monoton

•  Das Schlucken ist problematisch

•  Die Koordination (Abstimmung) der einzelnen Bereiche aufeinander ist eingeschränkt.

Die Schwierigkeiten müssen nicht unbedingt gleichzeitig und in gleicher Ausprägung auftreten.
Im folgenden werden einige dieser Probleme beschrieben:

Atmung
Oft ist bei der Dysarthrie die Atmung in Ruhe oder auch beim Sprechen unkontrolliert. Die Atmung ist häufig flach und geht sehr schnell.
Beim Sprechen kommt der Patient außer Atem und damit wird die Stimme schwächer.

Stimme
Bei der Dysarthrie ist die Stimme heiser oder bleibt teilweise ganz weg.
Das Sprechen klingt häufig monoton, da die korrekte muskuläre Zusammenarbeit, die für die Sprechmelodie nötig ist, gestört ist.
Es kann auch vorkommen, dass der Patient „durch die Nase spricht“, also näselt. Durch die Bewegungen der Artikulationsorgane (Kiefer, Lippen, Zunge) werden die verschiedenen Laute gebildet, die zu Wörtern aneinandergereiht werden.

Bei einer Dysarthrie sind die Beweglichkeit und die Kraft der Muskulatur eingeschränkt. Dies bedeutet, dass das Sprechen verwaschen und oft schlecht zu verstehen ist.

Schlucken
Da auch das Schlucken ein Vorgang ist, der durch viele Muskelgruppen ermöglicht wird, können auch hier Schwierigkeiten auftreten. (Z.B. in Form von häufigem Verschlucken oder Austreten vor Flüssigkeit aus der Nase).

Sprechapraxie

Beeinträchtigung der Fähigkeit, Sprechbewegungen in ihren räumlichen und zeitlich-sequentiellen Aspekten zu „progammieren “, ohne dass Schwäche, Verlangsamung oder Dyskoordination der beteiligten Muskeln oder perzeptive Dekodierungsdefizite für die Störung verantwortlich gemacht werden können. ( Darley et al. )

Symptomatik der Sprechapraxie :
Betroffene Bereiche:

•  Lautbildung

•  Prosodie

•  Sprechverhalten

•  phonematische Fehler

-Lautentstellungen = wahrnehmbare Abweichung vom Ziellaut, die auch
keinem anderen korrekt gebildeten Laut des Deutschen entspricht

-Substitutionen = kategoriale Lautabweichungen, d.h. korrekte Artikulation
eines anderen Lautes, anstelle des Ziellautes

-Elisionen = Auslassungen

-Additionen = Hinzufügungen

•  sequentielle Fehler

-Antizipationen = Voranstellung eines später zu produzierenden Lautes (Bsp.: Kheke statt Theke )

-Perseverationen = auch: Reiterationen oder progressive Assimilation
( Bsp.: Thete statt Theke )

-Metathesen = Umstellungen ( Bsp.: Khete statt Theke )

Besonderes Merkmal: Inkonstanz und Inkonsistenz der Lautbildungsfehler

Ziegler/ von Cramon (1989): Interpretieren kategorial abweichende und auditiv unauffällige Laute als Extremfälle eines Kontinuums aberrierender Lautrealisierungen ( keine Fehler der Selektion )

Einflussgrössen, welche sich auf die Lautbildung auswirken: (umstritten, da Forschungsergebnisse widersprüchlich)

•  Lautstellung im Wort (Anlaute eher betroffen als In- oder Auslaute)

•  Sprechmotorische Anforderung (gleicher Konsonant in Clustern oder längeren Wörtern eher betroffen; Komplexität der Lautfolgen entscheiden)

•  Phonem-/Worthäufigkeit (je häufiger, desto weniger betroffen)

•  Wortart und Wortlänge (Inhaltswörter und bildhafte Wörter weniger betroffen; je länger desto eher betroffen)

•  Automatisierungsgrad der Äußerung (je „automatisierter“, desto weniger betroffen; „Inseln unauffälliger Sprachproduktion“)

•  Stimulusmodalität

•  Adaptionseffekt (weniger Fehler bei mehrmaligem Lesen)

•  Prosodie

– Akzentuierung: Dauer, Tonhöhe und/oder Lautstärke verändert

– Akzentverschiebung

– Akzentnivellierung

– gleichmäßige Akzentuierung aller Silben

• silbische, skandierende Sprechweise:

•  intersilbische Pausen
•  Selbstkorrekturversuche
•  Reduktion des Sprechtempos
•  verlangsamte Artikulationsbewegungen die prosodische Defizite sind noch nicht genügend geklärt; möglicherweise sind sie als sekundär gestört zu betrachten

•  Sprechverhalten

•  Suchbewegungen

•  von Zunge, Lippen und Kiefer

•  bei Initiierung oder während der Realisierung von Äußerungen

-Sprechanstrengungen

-Selbstkorrektur ( mit zunehmender Annäherung an die artikulatorische Zielform )

-mimische oder gestische Ersatzhandlungen

-Unzufriedenheit

Diagnostik sprechapraktischer Störungen

AAT ( Aachener Aphasie Test ):

•  Diskrepanz zwischen lautsprachlichen und schriftsprachlichen Leistungen

•  Hohe Variabilität der Fehler

•  Erwartung von Fehlern v.a. in ´Spontansprache´ (Artikulation und Prosodie, phonematische Struktur), ´Nachsprechen´ und ´Lautes Lesen´

•  Abgrenzung zu Aphasie, Dysarthrie und buccofacialer Apraxie

•  Spezielle Untersuchungen der Sprechapraxie

•  Inspektive Untersuchung

– Inspektion der am Sprechen beteiligten Organe und Funktionen

– Beurteilung sensibler Funktionen

•  Auditive Befunde

– auditiv-phonetische Beurteilung der Spontansprache (Transkript)

– auditiv-phonetische Beurteilung spezieller Aufgaben, d.h. Beurteilung von: Sprechatmung, Stimme, Artikulation, Prosodie, Sprechen unter Belastung (z.B.: Diadochokinese)

Dysphagie

= gestörtes Schlucken.
Dysphagien sind Schlückstörungen, die meist bei zentralen Krankheiten auftreten. Häufig ist das Stamm-/Großhirn betroffen.

Hauptursachen für Dysphagien:

• Störungen der sensomotorischen Steuerung des Schluckvorganges ( neurogene Dysphagien )
• strukturelle Veränderungen der am Schluckvorgang direkt beteiligten Organe und benachbarter Bereiche wie Schädelbasis, Wirbelsäule, obere Thoraxapertur, Schilddrüse

Weitere Ursachen können sein:

• Kognitive Störungen mit Beeinträchtigung des Bewusstseins, Aufmerksamkeitsstörungen, Apraxie, Wahrnehmungsdefizite
• Störungen der Körpermotorik mit Beeinträchtigung der Kopf- und Rumpfkontrolle
• Änderung des Verhaltens, z.B. Antriebsstörungen, Demenz
• Psychogene Erkrankungen

Aus dieser Vielfalt von Erkrankungen, die zu Schluckstörungen führen können, resultiert die Notwendigkeit einer intensiven interdisziplinären Zusammenarbeit.

Nach der Lokalisation lassen sich die Ursachen für neurogene Dysphagien in vier Hauptgruppen aufteilen:

• Zentralnervensystem
• Hirnnerven und Zervikalnerven
• Neuromuskulärer Übergang
• Muskulatur
• Zentralnervensystem
• zerebrovaskuläre Erkrankungen ( Schlaganfall ) = häufigste Ursache aller Dysphagien
• Schädel-Hirn-Trauma
• Tumoren und andere Gewebsumbauprozesse
• M.Parkinson
• Amyotrophe Lateralsklerose
• Hypoxien
• Intoxikationen
• Medikamenteneinwirkung ( z.B. Neuroleptika )
• Entwicklungsstörungen ( bei Kindern )
• pränatale Hirnschädigung
• Geburtstrauma
• Hirnnerven und Zervikalnerven
• Tumoren
• Traumatische Läsionen
• entzündliche Erkrankungen
• Infektionen
• Guillain-Barré-Syndrom
• Neuromuskulärer Übergang
• Myasthenia gravis
• Muskulatur
• Dermato- und Polymyositis
• Muskeldystrophie

Strukturelle Ursachen für Dysphagien:

Strukturelle Schädigungen der Gesichts- und Halsmuskulatur, der Mundhöhle, des Rachens, des Kehlkopfs, der Speiseröhre und angrenzender Organbereiche können durch unterschiedliche Ätiologien bedingt sein. Sie können in zwei Hauptgruppen aufgeteilt werden:

• Primäre Schädigungen: Schluckstörungen bei Erkrankungen, welche medikamentös / chirurgisch/ radiologisch bzw. durch
physikalische Therapiemaßnahmen fachspezifisch zu behandeln sind
• Schluckstörungen nach chirurgischer, radiologischer und chemotherapeutischer Tumorbehandlung
• Primäre strukturelle Erkrankungen
• congenitale Erkrankungen ( isolierte Missbildungen, Sydrome, iatrogene Schäden )
• entzündliche Erkrankungen und Systemerkrankungen
• Traumen ( einschließlich Verbrennungen, Verätzungen, Fremdkörper )
• Divertikel
• Altersbedingte Strukturveränderungen
• Wirbelsäulenerkrankungen
• Tumore
• Folgen von Langzeitintubation, Tracheotomie, Sondenernährung
• Strukturveränderungen als Ergebnis chirurgischer, radiologischer und chemotherapeutischer Tumorbehandlungen
• vordere und hintere Mundhöhle
• Pharynx und Larynx
• Schilddrüse

Der physiologische Schluckvorgang:

  • Einteilung in vier Phasen:
    • orale Vorbereitungsphase
    • orale Phase
    • pharyngeale Phase
    • ösophageale Phase

Man kann den Schluckvorgang in vier Phasen unterteilen, die sich in der Art ihrer neurologischen Kontrolle unterscheiden.

Die orale Vorbereitungsphase in der es zu olfaktorischen Reizauslösungen kommt, welche den Speichelfluss ebenso anregen, wie das reine Betrachten des Essens. In dieser Phase findet auch das Einstellen der oberen Körperhälfte statt. Die orale Phase , in der der Bolus verarbeitet und der Schluckreflex getriggert wird, steht weitgehend unter willkürlicher Kontrolle. Die pharyngeale Phase , in der der Bolus durch den Pharynx in den Ösophagus gebracht wird, läuft reflektorisch ab. Der Reflexbogen läuft über den Hirnstamm, wird aber auch von den Großhirnhemisphären beeinflusst. Die ösophageale Phase , in der der Weitertransport zum Magen erfolgt, ist unwillkürlich und reflektorisch gesteuert, wobei neben der zentralnervösen Steuerung auch intrinsische Reflexbögen über den Auerbachschen Plexus eine Rolle spielen. Neurologische Schluckstörungen betreffen meist die orale und pharyngeale Phase.

Die Rolle der Angehörigen von Dysphagiepatienten

Die häufigste Ursache der Dysphagie sind Schäden des Zentralnervensystems. Die Rehabilitation des schwer hirngeschädigten Patienten ist geprägt durch die Vielzahl der somatischen, geistigen und seelischen Störungen. Unter dem Aspekt der Rolle des Angehörigen sind die geistigen Defizite v.a. als Probleme der Orientierung und Wahrnehmung, der Konzentration und des Gedächtnisses von besonderer Bedeutung. Der Patient weiß oft nicht, wer er ist, wo er ist, er kann oft nicht begreifen, was und warum etwas mit ihm geschieht. Er verfügt oft auch nicht über das Instrumentarium, sich zu reorientieren. Noch problematischer ist aber die seelische Situation, die durch Deprivation am ehesten zu charakterisieren ist.

In der Beeinflussung der geistigen und seelischen, zunehmend aber auch der somatischen Störungen, wie sie typischerweise die Dysphagie darstellt, ist der Angehörige heute unverzichtbarer Partner. Er ist Dolmetscher, Fürsprecher und Anwalt des Patienten, er muss außerhalb des Krankenhauses oft die bisherigen Funktionen des Patienten übernehmen. Bei fortbestehenden schweren Defekten bleibt er u.U. während des ganzen weiteren Lebens für den Patienten verantwortlich. Vor allem kann der Angehörige Co-Therapeut sein und so auf das weitere Schicksal des Patienten einwirken. Die Co-Therapeutenrolle beinhaltet die Gestaltung eines entängstigenden und vertrauensbildenen Milieus, ein Vermitteln von Ordnung, das Helfen beim Umsetzen therapeutischer Prinzipien ( insbesondere bei Defekten, für die beim Patient kein Störungsbewusstsein besteht ), Assistenz während der professionellen Therapie, helfendes Einwirken bei allen Aktivitäten des täglichen Lebens, sowie die Übernahme des therapeutischen Programms zu Hause.

Letzteres trifft v.a. bei Patienten mit einer Schluckstörung zu. Wird der Angehörige eines solchen Patienten in den Grundprinzipien der Schlucktherapie eingearbeitet, so kann er unersetzlicher Helfer z.B. bei der Essensbegleitung sein.

Die Kenntnisse sollten die Zubereitung von Diäten mit spezieller Beschaffenheit und Viskosität ( z.B. Pürees, angedickte Flüssigkeit ) umfassen. Auch über die verschiedenen Arten der Applikation von Sondennahrung sollte der Angehörige informiert sein. Im Hinblick auf die Langzeitbetreuung zu Hause kann ein Angehöriger auch Kenntnisse im Umgang mit der Tracheotomie und über die Kanülen und Tracheostomapflege erwerben einschließlich des Blockens und Entblockens sowie des Absaugens.

Da der Angehörige eines Patienten mit schwerem erworbenem Hirnschaden mitleidet beim Erleben des Patienten in seiner Hilflosigkeit, seiner Sprachlosigkeit und bei der Qual des sich-verschluckens und der Erstickungsangst, kann er die vielfältigen, oft sehr belastenden Funktionen eines Co-Therapeuten nur übernehmen, wenn man auch sein Erleben und seine Befindlichkeit berücksichtigt.

Gerade die Folgen der Schluckstörung stellen nicht nur für den Patienten, sondern auch für den Angehörigen eine erhebliche psychische Belastung dar. Die Speichelabsonderung über Mund oder Tracheostoma lösen oft Ekel und Abwehr aus. Das ständige Husten, Räuspern, Hochwürgen und Ausspucken von Schleim, Speichel und Nahrungsresten kann gerade für ästhetisch Empfindsame ein großes Problem sein. Aber auch nicht so vordergründige Probleme können die Angehörigen belasten. Für das soziale Miteinander z.B. hat es negative Auswirkungen, wenn Patient und Angehöriger keine gemeinsamen Mahlzeiten mehr einnehmen können. Die vorgefertigte Sondenkost erlaubt es dem Angehörigen nicht, dem Patienten durch das Kochen von etwas Gutem seine Zuwendung zu zeigen. Aber auch die durch das Tracheostome bzw. bei gleichzeitig bestehender Stimm- oder Sprechstörung, oder Aphasie bedingte massive Kommunikationseinschränkung ist seelisch sehr belastend.

Soll nun der Angehörige Funktionen in der Rehabilitation übernehmen, müssen wir von seinen eventuell vorbestehenden und sicher während der Rehabilitation auftretenden Problemen wissen und bei Bedarf professionelle Hilfe anbieten. Gerade in der Frühphase der Rehabilitation kommt es bei Angehörigen oft zu Verlust- und Zukunftsängsten, zu Depressionen und zu Somatisierung. Die Gefahr ist dann groß, dass der Angehörige selbst zum Patienten wird In der Frühphase der Rehabilitation verdient auch das komplizierte und deshalb störanfällige Beziehungsverhältnis zwischen Angehörigem, Patient, Reha-Team und der Welt außerhalb des Krankenhauses besondere Beachtung. Um so wichtiger ist es rechtzeitig vermittelnd, beratend oder therapeutisch einzuwirken.

Stottern / Poltern

  • kindliches Stottern und Poltern
  • Stottern bei Jugendlichen

Stottern bei Erwachsenen

Stottern und Poltern sind Sprechstörungen, die durch Stockungen im Redefluss und/ oder das Wiederholen von Buchstaben, Silben, Wortteilen oder ganzen Worten gekennzeichnet sind.

Laryngektomie

  • Stimmverlust nach Kehlkopfentfernung
  • Erlernen der Ösophagusstimme (Speiseröhrenersatzstimme)
  • Erlernen einer Ersatzstimme mit dem Servox-Gerät

Lese-Rechtschreibschwäche (LRS)

Als Folge einer Sprachentwicklungsverzögerung

  • Schwierigkeiten in der Lautunterscheidung
  • eine verkürzte Hörgedächtnisspanne

Die Diagnostik, Beratung und Therapie erfolgt nach ärztlicher
Verordnung. Die Kosten werden dann in der Regel auch von Ihrer Krankenkasse übernommen.

Sprach-, Sprech- und Stimmstörungen nach Hirnschädigungen

  • Aphasie
  • Dysarthrie
  • Sprechapraxie
  • Schluckstörungen (auch Mund- und Esstherapie im Kindesalter)

Diese Störungen können sich in unterschiedlichem Maße auf die Bereiche des Sprechens, Verstehens, Schreibens und/ oder Lesens owie der Nahrungsaufnahme auswirken.

Verursacht werden diese Störungen durch z.B. Schlaganfall, Unfall,
neurologische Erkrankungen u.ä.